Unser Kommentar zu Obamas Entscheidung, nun doch nicht mehr zum Mond fliegen zu wollen.

Zugegeben – er war auch aus meiner Sicht ein Hoffnungsträger. Doch was ist davon geblieben? Guantanamo ist immer noch nicht zu. Im Irak und am Hindukusch wird angeblich immer noch unsere Freiheit verteidigt. Mit Mitteln, die für mindestens 10 Mondflüge pro Jahr oder eine komplette ISS

pro Jahr ausreichen würden (ich rede nicht nur vom Unterhalt, sondern von den gesamten Baukosten!). Danach wäre trotzdem immer noch genügend übrig, um die restlichen Probleme dieses Planeten zu lösen.

Darüber sollten all jene einmal nachdenken, die Obamas Entscheidung begrüßen, diese "Geldverschwendung der bemannten Raumfahrt" und das "Prestigeprojekt Mond" zu beenden. Sie sollten dabei auch reflektieren, wo unsere heutige europäische Zivilisation ohne den Wagemut und die Neugier der alten Griechen, Phönizier und Römer wäre. Denn ohne ihren Drang zu "Prestigeprojekten" – der Gründung von Kolonien an fernen Küsten – gäbe es unsere hochentwickelte Gesellschaft und unser gemeinsames Europa gar nicht. Ohne all die Seefahrer, die nach Columbus kamen, gäbe es auch die USA nicht. Doch nun verbaut ausgerechnet deren Präsident die weitere Ausbreitung des Menschen über unseren Planeten hinaus. Verbaut durch einen fragwürdigen politischen Federstrich die Gründung der ersten Kolonie der Menschheit im All und preist den niedrigen Erdorbit als ehrenwertes Ziel. Das wäre etwa so, als hätten unsere antiken Vorfahren lieber Papierschiffchen zum Spielen statt Galeeren zum Erkunden gebaut. Als hätten sie kleine Sandburgen am heimatlichen Strand der Gründung von Städten in fremden Ländern vorgezogen.

Dass es zur Ausbreitung unserer Spezies ins Weltall letztlich keine Alternative gibt, haben die Verantwortlichen in Europa und den USA offenbar noch nicht verinnerlicht, weil sie immer nur im Vier-Jahres-Rhythmus denken. Denn dass 2050 bei 12 Milliarden Menschen für jeden nicht einmal mehr 8000m² der gesamten Landfläche der Erde übrig bleiben werden (ohne Wüsten und Eis), hat hier wahrscheinlich noch niemand berechnet. Ziemlich wenig, um es für jeden einzelnen mit Feld, Haus und Weg zu bebauen und sich dabei nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen!

Inder, Chinesen, Japaner, Koreaner und sogar die Brasilianer haben das offenbar längst begriffen. Sie alle betreiben ambitionierte und durchaus kostenintensive steuerfinanzierte Programme, Menschen ins All zu schicken, dort das neue zu entdecken und letztlich irgendwann da draußen zu siedeln. Sie haben dabei – für uns in Europa kaum nachvollziehbar – ihre Bevölkerung zum Großteil hinter sich. Weil Raumfahrt eben mehr ist, als eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Sie befriedigt die menschliche Neugier, schafft Pioniergeist und Aufbruchstimmung, kann die Jugend wieder für etwas begeistern und macht wohl auch ein wenig stolz. Was haben wir davon in Europa noch? Was ist davon in den USA nach Apollo geblieben?

Dass die Grenzen unseres Wachstums erreicht sind und es zur Ausbreitung der Menschheit ins All somit keine Alternative gibt, haben wohl auch zahlreiche heute noch kleine Unternehmen verstanden. Sie betreiben mit privater Initiative, Mut, Engagement und letztlich viel Geld aus der IT immer mehr Raumfahrt. Ausgehend vom vielerorts belächeltem Weltraumtourismus entsteht so eine ganze neue Branche, die – Ironie des Schicksals – demnächst wohl sogar beauftragt wird, amerikanische NASA-Astronauten in einfachen Dragon-Kapseln zur ISS zu befördern. Denn deren Präsident hat ja gerade die weitere Entwicklung der eigenen Orion-Kapsel eingestellt und die Produktion von russischen Soyuz-Kapseln für den ISS-Transport ist bereits an der Auslastungsgrenze angelangt. Womit, Mister Präsident wollen sie also fliegen? Ein Black Hawk fliegt nicht zum Mond. Nicht mal bis in 10km Höhe!

Deshalb abschließend ein ganz persönlicher Wunsch vom Autor dieses Beitrages: Mister President – give back your Nobel Peace Prize and go to the moon again!

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Prognosen für die Zukunft finden Sie in unserem Essay "Das Jahrhundert der Raumfahrt". Hören Sie unser Interview zur Mondkolonie von DRadio Wissen.

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